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Als “Zecke” wurden die Wohnlager bezeichnet, welche sich außerhalb von Ortschaften im Wald befanden. Ihren Namen haben sie durch die in russischen Wäldern weit verbreiteten Zecken bekommen. Bevor man an die Trasse reiste musste man sich deshalb gegen Borreliose impfen lassen. Das war einige der Untersuchungen welche Standard für die Trassenerbauer waren.
Die Zecke in Berjosowka befand sich etwa 15 km weit weg vom Hauptstandort und war das ursprünglich erste Wohnlager für die Erbauer des Verdichters in Kungur. Nach der Fertigstellung der ersten Wohnblocks in Berjosowka wurden diese als Zwischenunterkunft genutzt. Die Zecke sollte dann zurück gebaut werden. Aber da immer wieder neue Leute eingeflogen wurden, war der Platz nie ausreichend und die Zecke stand auch 1989 bei meiner Ausreise noch!
Gleich in meinem 1.Zyklus (der Zeitraum in dem ein Trassenerbauer draußen war, im Schnitt 16 Wochen), sollte ich vorübergehend als Kulturnik auf die Zecke. Daraus wurde fast ein Jahr. Allerdings war es auch mit die schönste Zeit an der Erdgastrasse, denn wir waren im Wohnlager gerade mal 200 Mann (und natürlich auch einige Frauen). Dementsprechend “familiär” ging es auf der Zecke zu.
Trotz der Abgeschiedenheit waren die Bewohner des Wohnlagers froh auf der Zecke zu sein. Man musste sich nicht ständig irgendwelchen Regularien unterordnen und lebte dort also relativ frei.
Ein besonderes Erlebnis für mich war es als ein russischer Jäger nach 2 Tagen Schlaf unter freien Himmel bei -25 Grad Minus nicht von seinem Kollegen abgeholt wurde um den gemeinsam erlegten Elch nach Hause zu bringen. Baulaute von der Mischanlage “erbarmten” sich und fuhren ihm den Elch nach Hause und bekamen dafür eine 20 kg-Keule des Elches. Flugs hatte diese die Kücjhe zubereitet und wir hatten einen herrlichen Elchbraten. Undenkbar im Hauptwohnlager mit seinen tausenden Vorschriften!
Natürlich waren auch andere “Rituale” auf der Zecke eher machbar als im Hauptwohnlager, wie z.B. der anberaumten Weihnachtsfeier im Hochsommer bei ca. + 35 Grad Celsius. Natürlich in Filzstiefeln, Persachen und mit Glühwein. Woher diese “Schnapsidee” eigentlich rührte konnte mir bis heut noch niemand so richtig erklären, war sie doch aber Bestandteil von Feiern auf vielen Baustellen. Selbst heut wird bei Trassentreffen dieses “Ritual” u.U. noch gepflegt!
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